ALTENKIRCHEN. Was ist relative Armut? Prof. Dr. Christoph Butterwegge erklärt das in Altenkirchen ganz plastisch: „Wenn mir eine Mutter erzählt, wie froh sie darüber ist, dass ihr Kind eben nicht zum Kindergeburtstag der Schulkameradin eingeladen wurde, weil sie dann auch kein Geschenk kaufen muss“, dann sei das die so genannte relative – aber eben doch auch eine sehr konkrete Not. „Die Armut sieht in Köln anders aus als in Kalkutta“, so Butterwegge. Doch Zahlen sprächen Bände. So frage er sich stets, warum in einem der reichsten Länder der Welt das Einkommen von 16 Prozent der Bevölkerung über weniger als 60 Prozent eines mittleren Einkommens verfügt – und damit an der „Armutsrisikoschwelle“ – oder darunter – liege?
Auf Einladung des Caritasverbands Rhein-Sieg, des Diakonischen Werks Altenkirchen, des DGB und der Kreis-Volkshochschule sowie mit freundlicher Unterstützung des Seniorenbeirats der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld sowie des Katholischen Bildungswerks in der Region Rheinland-Pfalz sprach der Sozialwissenschaftler und Autor flammend unter dem Titel „Armut bei uns? -Das gibt’s doch nicht“.
Eine Armut, die Caritas-Vorstand Harald Klippel in seinem einführenden Grußwort sehr wohl zu benennen wusste. „Wir erleben die Folgen in unseren Diensten unmittelbar. Menschen, die erkennen, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist.“ Harald Klippel ist es wichtig zu betonen: „Unsere Mitarbeitenden behandeln keinen Fall. Vor ihnen sitzt eine Person mit einer unveräußerlichen Menschenwürde.“
Auch der Leiter des Sozialamtes Josip Jagatic hat diese Armut in seinem Landkreis ausgemacht: „Sie konzentriert sich nicht, wie in großen Städten, auf bestimmte Straßenzüge oder Stadtteile. Aber sie ist da.“
Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des DGB-Kreisverbandes Axel Karger, die Jobcenter-Geschäftsführerin Ramona Mittler, sowie Tatjana Bär-Otto, Fachberaterin der Caritas-Wohnraumsicherung, diskutierte er nach dem Fachvortrag Butterwegges über Lösungswege.“ Die Fragen aus dem Publikum machten deutlich, wie vielfältig die Perspektiven und Herausforderungen sind – von konkreten Erfahrungen Betroffener über strukturelle Grenzen bis zu Zuständigkeiten und bis zu der Frage, wo und wie tatsächlich Handlungsspielräume bestehen. Zwei große Themen hatte bereits der Kölner Wissenschaftler Butterwegge als zentrale Probleme der sozialen Zukunft ausgemacht: Die Altersarmut und die Wohnungsknappheit. Genau hier hakte eine Zuhörerin aus dem Publikum ein und fragte nach einer Wohnungsgenossenschaft, die im Kreis Altenkirchen bislang fehlt.
Damit diese Idee und andere mögliche Lösungswege verfolgt werden können, so Moderator des Abends und Leiter der Kreis-VHS Holger Telke, lädt die Volkshochschule Altenkirchen gemeinsam mit vielen Partnern zum Workshop ein. Der Tag mit Alexander Wicker findet am Samstag, 10. Oktober 2026, von 11 bis 16 Uhr statt. Die Teilnahme kostet nichts. Anmeldung unter www.vhs.kreis-ak.eu